Brauerei Wolf Rüdenhausen – die untergegangene fränkische Wirtshauskultur.

Ein paar Stunden habe ich gebraucht, bis ich die Ereignisse von gestern verarbeitet hatte. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal nicht wirklich traurig wäre, würde eine Brauereiwirtschaft verschwinden. Doch erstmal von vorne. Letzte Woche habe ich mich durch einen Post eines geschätzten Brauereiinteressierten daran erinnert, dass wir schon in den letzten Ferien mal einen Ausflug zur Wirtschaft der Brauerei Wolf in Rüdenhausen machen wollten. Seit Kitzingen zum Verkehrsverbund Nürnberg gehört und eine stündliche Busverbindung vom und zum Bahnhof Kitzingen eingerichtet wurde, gibt es eigentlich keine Ausrede mehr, dort nicht vorbeizuschauen. Ein ungutes Gefühl hatte ich zwar, da wir vor gut 25 und nochmal vor ca. 20 Jahren dort trotz offizieller Öffnungszeiten vor verschlossenen Türen standen bzw. ein extra angekündigtes Kellerfest einfach nicht stattfand. Damals war es mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch wirklich kompliziert und sinnvoll nur mit dem Rad, über eine größere Runde zu erreichen.
Deshalb gingen wir diesmal vermeintlich auf Sicherheit und telefonieren mit dem Chef höchstpersönlich ein paar Tage vorher, ob am Montag über Mittag offen ist. Dies wurde uns am Telefon bestätigt und passte auch zum Aushang an der Tür und dem eigenen Internetauftritt (https://wolfruedenhausen.wixsite.com/gasthofbrauereiwolf), also machten wir uns gestern auf den Weg und freuten uns auf zwei Stunden bei gutem Bier und Brotzeit sowie auf eine aussichtsreiche Wanderung zur Verdauung danach. Um dreiviertel 12 wurden wir mit der Buslinie 8111 pünktlich in Rüdenhausen abgeliefert und schlenderten erst ein wenig durch den Ort, da die Gaststättentür noch abgeschlossen war. Leider öffnete sich die Tür auch nicht um 12 und auch nicht danach. Unsere Anrufe hörten wir zwar innen klingeln, aber niemand ging ran. Die Handynummer auf dem Aushang existierte nicht. Ein zufällig vorbeilaufender Spaziergänger erzählte uns, dass die Wirtschaft wohl nur öffnet, wenn der Chef mag.
Wir sind dann kurz vor halb eins zu unserer Wanderung aufgebrochen. Zu verdauen hatten wir da aber leider nur Ärger und Frust. Im Verlauf der Wanderung überlegten wir, es am Abend um 18 Uhr nochmal zu versuchen. Es hätte ja sein können, dass am Mittag etwas dringendes dazwischen gekommen war. Am Nachmittag um drei erreichten wir dann endlich jemanden am Telefon. Es war wieder der Chef. Er erinnerte sich an das Telefonat von letzter Woche, aber es wäre halt jetzt anders. Auch am Abend wolle er nicht öffnen. Auf die Frage, wann überhaupt offen ist, erklärte er uns, dass das nur „am Wochenende“ der Fall wäre. Wenn nur offen ist, wenn der Chef Lust hat und man sich auf persönliche Auskunft auch nicht verlassen kann, ist diese Wirtschaft für mich jetzt endgültig gestorben. Nochmal verarschen lasse ich mich nicht mehr. Die Wanderung war eigentlich sehr schön, aber mit nichts außer Ärger im Bauch ist das auch fast schon egal. Wir besuchen jetzt lieber Gaststätten bei denen Gäste willkommen sind.

3 Gedanken zu „Brauerei Wolf Rüdenhausen – die untergegangene fränkische Wirtshauskultur.“

  1. Too many other good (and open!) breweries to visit
    Thank you for your great pictures from your hike.
    Agreed that it is better that you will save your money for customer-focused established instead of this one.

    cheers to an adventurous 2023 with more of that

    Bill

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  2. Puh … da habe ich aber einen Schrecken bekommen, als ich die Überschrift las. Ich dachte schon, der Wolf hätte jetzt auch das Handtuch geworfen. Verständlich wäre es. Herr Wolf betreibt seine Brauerei (einschl. Flaschenabfüllung), Brennerei, Gaststätte und Hotel schon seit vielen Jahren als Einmann-Betrieb. Hilfskräfte habe ich dort noch nie gesehen. Hinzu kommt, daß kein mir bekannter Händler die Biere in sein Sortiment aufgenommen hat. Daß einer unter solchen Bedingungen nicht schon längst hingeschmissen hat, verdient schon größte Anerkennung. Das könnte und müßte man natürlich besser kommunizieren, keine Frage. Trotzdem sind die Biere absolut probierenswert! Ich fahre jedenfalls immer dort vorbei, wenn ich in der Gegend bin.
    Schöne Grüße!

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    • Hallo Martin, nichts neues für mich, was Du da erzählst. Deswegen haben wir auch ein paar Tage vorher angerufen. Wie Du oben hättest lesen können, ist entgegen seiner eigenen Aussage trotzdem dann geschlossen gewesen. So geht man nicht mit anderen um. Er hätte am Telefon einfach sagen können, dass er keine Lust hat. Für mich ist die Sache jetzt abgeschlossen.

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